Interview Axel Leblois, G3ict - REHACARE Magazin vom 21. Juni 2018

 

M-Enabling Forum: "Die besten assistiven Technologien nützen nichts, wenn unsere digitale Umgebung nicht barrierefrei ist" Nachgefragt bei Axel Leblois, Präsident und Geschäftsführer, G3ict

21.06.2018

 

Selbstbestimmtes Leben braucht Barrierefreiheit. Dies gilt nicht nur für einen stufenfreien Eintrittsbereich für Rollstuhlfahrer, sondern auch für die digitale Umgebung. Wenn blinde Menschen beispielsweise mithilfe eines Bildschirmlesers im Internet surfen, benötigen sie Websites, die barrierefrei sind. Doch die Realität sieht meistens anders aus. Grund genug für das M-Enabling Forum, sich auf der diesjährigen REHACARE mit diesem Thema zu beschäftigen.

 

Axel Leblois ist Präsident und Geschäftsführer von G3ict, der globalen Initiative für inklusive IKT (the Global Initiative for Inclusive ICTs), die das M-Enabling Forum Europe mitorganisiert. Im Interview mit REHACARE.de spricht er über die Rolle der digitalen Barrierefreiheit und assistiver Technologien und verrät, was die Besucher des M-Enabling Forums auf der REHACARE 2018 erwarten können.

 

Herr Leblois, das M-Enabling Forum findet erstmals während der REHACARE 2018 statt. Wieso passt es so gut zur Fachmesse, die sich mit dem Thema "selbstbestimmt leben" beschäftigt? 

Axel Leblois: In den letzten Jahren – und zum großen Teil dank der globalen Größenordnung und Kreativität der Mobilindustrie – hat sich eine Revolution in der Art und Weise vollzogen, wie Menschen mit Technologie umgehen und mit der Welt und ihrem unmittelbaren Umfeld in Kontakt treten können. Barrierefreie Funktionen, die vor einigen Jahren noch nicht verfügbar oder extrem teuer waren, wie beispielsweise Text in Sprache, Spracherkennung oder Nahfeldkommunikation, sind nun in Massenmarktprodukten eingebettet. Der M-Enabling Summit hat sich als führender globaler Veranstaltungsort etabliert, auf dem Innovatoren aus neuen Industriesegmenten die Möglichkeiten neuer Anwenderschnittstellen, das Internet der Dinge, Videoübertragung, Künstliche Intelligenz, Geo-Positionierung, drahtloser Kommunikation bei hoher Bandbreite und niedriger Latenz und vielen anderen Funktionen, die aus dem globalen mobilen Markt hervorgegangen sind, mitteilen und nun zur Unterstützung von selbstbestimmten Wohnlösungen für Menschen mit Behinderung nutzen können. Diese Art von Zusammenspiel mit einer neuen Generation von Innovatoren erweitert das traditionelle Feld der assistiven Technologien, der Reha-Geräte und sozial-rehabilitativen Dienstleistungen erheblich.

Ein weiterer Aspekt, der die REHACARE optimal ergänzt, ist der Fokus von M-Enabling auf die Barrierefreiheit digitaler Produkte, Inhalte und Dienstleistungen: Schließlich nützen die besten assistiven Technologien dieser Welt nichts, wenn unsere digitale Umgebung nicht barrierefrei ist. Ähnlich wie ein Rollstuhlfahrer, der versucht, ohne Rampe ein mehrstöckiges Gebäude zu befahren, ist der Benutzer eines Bildschirmlesers nicht in der Lage, auf Informationen zuzugreifen, wenn eine Website oder ein elektronisches Dokument nicht den Richtlinien für Barrierefreiheit entspricht.

 

Was genau können die Besucher vor Ort erwarten?

Leblois: Das M-Enabling Forum auf der REHACARE enthält sowohl eine eintägige Konferenz als auch Ausstellungen, die sich barrierefreien und assistiven Lösungen widmen und die neuesten barrierefreien Funktionen in den Mittelpunkt stellen. Besucher und Messeteilnehmer können sich auf einen Überblick über die modernsten Innovationen auf dem Markt freuen, sowie eine Diskussion darüber, wie ihre Akzeptanz durch Menschen mit Behinderungen am besten gefördert werden kann. Interaktive Gremien umfassen Nutzerberichte sowie politische und branchenspezifische Perspektiven, um zu gewährleisten, dass alle Informations- und Kommunikationstechnologien, Produkte und Dienstleistungen im Hinblick auf Barrierefreiheit gestaltet sind: In der heutigen Welt ist es unerlässlich, dass alles Digitale mit Blick auf ältere Personen und Menschen mit Behinderung ausgelegt ist. Um selbstbestimmt leben zu können, muss man in der Lage sein, etablierte digitale Produkte und Dienstleistungen uneingeschränkt nutzen zu können, was von Geldautomaten zu Fernsehern, Websites, Software bis hin zu mobilen Apps oder Computern reicht. Eines der Gremien wird prüfen, wie Standards für Barrierefreiheit sowie berufliche Schulungen und Zertifizierungen für IT-Fachleute im Bereich Barrierefreiheit von allen Branchen umgesetzt werden sollen. 

Ähnlich wie in Washington auf dem M-Enabling Summit wird es während der REHACARE beim M-Enabling Forum auch eine Ausstellung sowie Konferenz geben.

 

Welche Rolle spielen digitale Barrierefreiheit und assistive Technologien im Rahmen eines selbstbestimmten Lebens für Menschen mit Behinderungen?

Leblois: Heutzutage wird alles digital: Zugang zu Informationen, Bildung, Arbeiten, der Austausch mit anderen über soziale Netzwerke, Gesundheitsüberwachung, E-Commerce, Reisen und jeder Aspekt des Lebens. Die Unmöglichkeit, in der heutigen Welt auf digitale Schnittstellen zugreifen zu können, bedeutet den Ausschluss von der Teilnahme an der Gesellschaft: Stellen Sie sich Ihr Leben vor ohne Zugang zu Informationen, Bankdienstleistungen, Bildungsmaterial oder der Möglichkeit, ein Telefon zu benutzen. Ein Mangel an digitaler Barrierefreiheit bedeutet ein Verlust der Selbstbestimmung und eine vollständige Abhängigkeit von anderen Menschen in allen wichtigen Aspekten des Lebens. Die gute Nachricht in diesem Zusammenhang besteht darin, dass es heute bereits Lösungen gibt, um die meisten digitalen Schnittstellen den Menschen mit Behinderungen zugänglich zu machen, und das entweder mit integrierten barrierefreien Funktionen oder unter Nutzung von assistiven Technologien. Die schlechte Nachricht ist, dass nur wenige Entwickler von Produkten, Inhalten und Dienstleistungen sich dieser Situation bewusst und in der Lage sind, diese umzusetzen. Aus diesem Grund wird im Rahmen des M-Enabling Forums das neue Europäische Barrierefreiheitsgesetz ("European Accessiblity Act") mit Vertretern der Europäischen Kommission und führenden Mitgliedern des Europäischen Behindertenforums diskutiert – eine Entwicklung, die von großer Bedeutung für alle Besucher und Aussteller der REHACARE ist.

 

Was bedeutet Inklusion für Sie? 

Leblois: Inklusion bedeutet für mich, dafür zu sorgen, dass alle Menschen Zugang zu allen Chancen im Leben haben und das gleichberechtigt mit anderen Menschen. Das ist auch die Motivation der beiden M-Enabling Co-Organisatoren: G3ict, die globale Initiative für inklusive IKT, die vor zwölf Jahren auf Initiative der Vereinten Nationen gegründet wurde, um die Anordnungen zur digitalen Barrierfreiheit im Sinne der UN-Behindertenrechtskonvention zu fördern, und EJ Krause and Associates, einer führenden Firma im Bereich der Organisation von Technologie-Veranstaltungen auf der ganzen Welt. Beide Organisationen glauben an die Macht der Technologie, um die Inklusion von Menschen mit verschiedenen Fähigkeiten in unseren Gesellschaften zu gewährleisten. Wir freuen uns schon sehr darauf, diese Vision mit allen REHACARE-Teilnehmern zu teilen.

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